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Schönste Dörfer Italiens – I Borghi più belli d’Italia – Geheimtipps abseits der Massen

von Ulli Heerdegen

Italien abseits der Touristenmassen – Wo sich Geschichte, Genuss und Charme treffen gibt es die schönsten Dörfer Italiens. Die meisten der mehr als 7000 Gemeinden kennt niemand. Der touristische Blick bleibt an denselben Orten hängen –und lässt dabei einen Großteil des Landes ungesehen. Die Vereinigung "I Borghi più belli d'Italia" arbeitet seit 2001 daran, das zu ändern. Mit einem strengen Auswahlverfahren: 72 Kriterien, zertifiziert nach ISO 9001, bewertet von einem wissenschaftlichen Komitee. Wer aufgenommen wird, hat es sich erarbeitet. Wer die Anforderungen nicht mehr erfüllt, fliegt wieder raus. 

Lass dich mitreißen auf eine Reise durch die neuesten Mitglieder dieser Liste und entdecke, warum du sie unbedingt besuchen solltest.

"I Borghi più belli d'Italia"

Eine Liga der außergewöhnlich schönen Dörfer

Eine Mission: Italiens historische Schätze bewahren

Die Initiative "I Borghi più belli d'Italia" wurde 2001 ins Leben gerufen, um kleine, geschichtsträchtige Gemeinden vor dem Vergessen zu bewahren. Oft sind es Orte mit jahrhundertealten Gebäuden, malerischen Gassen und einzigartigen Traditionen, die abseits der großen Touristenströme existieren. Ihr größter Schatz? Ihr unverwechselbarer Charakter und ihre Authentizität. Heute zählt die Liste stolze 375 Dörfer

Ein gemeinsamen Ziel: die Schönheit Italiens zu bewahren und gleichzeitig sanften, nachhaltigen Tourismus zu fördern.

Strenge Auswahlkriterien

Nicht jedes hübsche Dörfchen schafft es in diese Elite-Liga. Die Aufnahme erfolgt nach strengen Kriterien:

  • Historische Bedeutung – Gebäude und Ortsbild müssen historisch gewachsen sein und authentisch erhalten bleiben.
  • Architektonische Integrität – Keine Bausünden, keine modernen Hotelklötze, sondern echtes italienisches Erbe.
  • Lebensqualität & Nachhaltigkeit – Die Dörfer müssen ein lebendiges Gemeindeleben haben und Tourismus im Einklang mit der Natur fördern.
  • Einzigartigkeit – Jeder Borgo muss eine besondere Geschichte erzählen.

 

Borghi piu belli in Italiens Norden

Piemont

Guarene

Inmitten der Langhe-Hügel, mit Blick auf Weinberge, die im Herbst leuchten. Das Schloss aus dem 18. Jahrhundert dominiert das Ortsbild – und erinnert daran, dass hier Wein und Architektur seit Jahrhunderten eine gemeinsame Geschichte schreiben.

Rassa

Ein Alpendorf, umgeben von Wäldern und Bergbächen. Für Wanderer einer der ruhigsten Ausgangspunkte im Piemont –ein Ort, an dem Stille kein Mangel ist, sondern das Angebot.

Borgo il Piazzo, Biella (Borgo Ospite 2025)

Der mittelalterliche Stadtteil von Biella, per Seilbahn erreichbar. Handwerksbetriebe, historische Gassen, eine Aussicht auf die Ebene, die erklärt, warum dieser Ort einmal das eigentliche Zentrum war.

Lombardei

Bagolino

Bekannt für seinen jahrhundertealten Karneval mit geheimnisvollen Masken und eigener Musikkultur. Die Steingassen sind mittelalterlich, der Bagòss– ein mit Safran gereifter Hartkäse – ist eine Spezialität, die man kaum anderswo findet.

Limone sul Garda (neu 2025)

Am nördlichsten Punkt der Gardasee-Westküste, mit einem mediterranen Kleinklima, das Goethe bereits faszinierte. Die historischen Limonaien –terrassenförmig in den Fels gebaut – sind nicht nur Sehenswürdigkeit, sondern gelebte Identität. Ein Ort, der touristischen Druck kennt und ihn bislang beherrscht hat.

Ligurien

Pieve di Teco (neu 2025)

In der Valle Arroscia, im ligurischen Hinterland. Die mittelalterlichen Portici –lokal als progeni bekannt – ziehen sich durch den gesamten Ortskern und schützen noch heute die alten Botteghe. Eine lebendige Gemeinschaft, die ihre Bausubstanz nicht nur bewahrt, sondern nutzt.

 

Dörfliche Schönheiten in der Mitte Italiens

Emilia-Romagna

Bertinoro

Der „Balkon der Romagna" – hoch über der Ebene, mit Blick bis zur Adria. Bertinoro ist für seine Gastfreundschaft bekannt – eine Tradition, die mit einem geteilten Glas Wein begann. Manche Dinge ändern sich nicht.

Castelvetro di Modena (neu 2025)

Die Piazza della Dama, schachbrettartig gepflastert, ist das Herz des Ortes. Drumherum: mittelalterliche Türme, Weinberge, Lambrusco Grasparossa und Aceto Balsamico. Ein Borgo, in dem Geschichte und Gastronomie keine Gegensätze sind.

Toskana

Mulazzo

Ein toskanisches Dorf, das Dante Alighieri als Inspirationsquelle diente. Steinbrücken, alte Festungsmauern, Kastanienwälder im Herbst. Wer die Toskana jenseits von Chianti und Siena sucht, findet hier einen echten Ausgangspunkt.

Marken

Ripatransone

Bekannt als Ort mit der schmalsten Gasse Italiens – 43 Zentimeter. Der Blick von der Höhe der Hügel der Marken bis zur Adria macht deutlich, warum dieser Ort lange als natürlicher Beobachtungsposten diente.

Cingoli

Ebenfalls als „Balkon der Marken" bezeichnet. Atemberaubende Aussicht, eine intakte Altstadt und ein ruhiges Tempo – in einer Region, die oft im Schatten der Toskana steht. Zu Unrecht.

Umbrien

Scheggino

Am glasklaren Fluss Nera, eingebettet in das grüne Herz Umbriens. Trüffelsuche, Kajakfahren, schwarze Trüffel auf hausgemachter Pasta. Scheggino ist kein Ausflugsziel, sondern ein Ort zum Verweilen.

Latium

Capranica Prenestina

Ein Bergdorf mit weitem Blick auf die römische Campagna. Nah an Rom – und trotzdem in einer anderen Zeit.

 

Borghi piu belli im Süden

Abruzzen

Introdacqua

Zwischen zwei Gebirgszügen, mit mittelalterlichen Türmen und einer Musiktradition, die das Dorf bis heute lebendig hält. Arrosticini – gegrillte Lammspieße – gehören hier zum Alltag.

Molise

Borgo Vecchio, Termoli (Borgo Ospite 2025)

Ein Fischerdorf auf einem Felsenvorsprung an der adriatischen Küste von Molise – einer Region, die selbst in Italien als unentdeckt gilt. Das Castello Svevo, enge Gassen, das Meer auf drei Seiten.

Kampanien

Cusano Mutri (neu 2025)

Am Rand des Parco Regionale del Matese. Enge Steingassen, Kalksteinfassaden, eine Sagra dei Funghi, die das Dorf jedes Jahr zum Leben erweckt. Wer hier wandert, bewegt sich durch eine Landschaft, die wenig Kompromisse macht.

Apulien

Gravina in Puglia

Tiefe Schluchten, Höhlenwohnungen, eine Geschichte, die Jahrtausende zurückreicht. Apulien zeigt sich hier von einer anderen Seite als an der Küste – rauer, stiller, eindrucksvoller.

Basilikate Rivello (neu 2025)

Auf drei Hügeln über der Valle del Noce gelegen, zwischen dem Parco Nazionale dell'Appennino Lucano und dem Tyrrhenischen Meer. Das Konvent von Sant'Antonio mit Fresken aus dem 17. Jahrhundert ist nur eines von vielen Zeugnissen einer Geschichte, die hier im Stadtbild sichtbar geblieben ist.

 

Inseln Italiens

Sizilien

Forza d'Agrò

Bekannt als Drehort für "Der Pate" – was man ihm ansieht, wenn man die Gassen hinaufsteigt. Der Blick auf die sizilianische Küste entschädigt für jeden steilen Meter.

Sperlinga

In den Fels gehauene Behausungen, eine normannische Burg, eine Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Quod Siculis placuit, sola Sperlinga negavit – was den Sizilianern gefiel, verweigerte allein Sperlinga. Ein Ort voller Schichten.

Schönste Dörfer Italiens - Borghi piu belli d'Italia
Schönste Dörfer Italiens - Borghi piu belli d'Italia
Schönste Dörfer Italiens - Borghi piu belli d'Italia

Einordnung

Die Liste der Borghi più belli d'Italia wächst langsam – und das ist kein Zufall. Von etwa tausend Bewerbungen seit 2001 wurden bislang 382 zugelassen. Wer aufgenommen wird, trägt damit auch Verantwortung: für die eigene Gemeinschaft, für Besucher und für den Standard der gesamten Liste.

Einige dieser Dörfer tragen zusätzlich das Spighe Verdi-Siegel für besonders nachhaltige Gemeinden – ein weiteres Zeichen dafür, dass hier Haltung bewertet wird, nicht nur Ästhetik.

Ein Hinweis zur Anreise: Viele dieser Orte liegen abseits von Hauptverkehrsachsen. Ein kleines Auto ist oft die sinnvollste Wahl – für Flexibilität, nicht für Geschwindigkeit

Vereinigung "I borghi piu belli"
Wikipedia

I Borghi piu belli d'Italia Logo

 

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