Eine Wanderung, die nach Geschichte riecht, nach Salbei schmeckt und in die Beine geht: Der Greenway del Lago di Como führt vorbei an Burgen, Olivenhainen und Fischerdörfern. Mit Sabrina von Trek & Taste wurde daraus eine unvergessliche Zeitreise mit Gänsehautmomenten – und Riso in Cagnone con pesce persico come da tradizione.
Comer See, morgens, ein Hauch grauer Wolken am Himmel. Ich ziehe die Wanderschuhe fest – zusammen mit Sandra (italienische Ferienwohnungsregistrierungsspezialistin) begebe ich mich ganz spontan auf den Greenway del lago di Como. Zehn Kilometer Kultur, Natur und pure italienische Schönheit. Aber das wusste ich da noch nicht. Ich wusste nur: Ich bin mit Trek & Taste unterwegs, und mit Sabrina – unsere Wanderführerin.
Sabrina spricht Italienisch mit der Gruppe, aber für mich? Ein Augenzwinkern, ein Satz auf Englisch, ein paar Brocken Deutsch. Ich fühle mich nicht nur willkommen – ich bin mittendrin.
Via Regina – entlang des Comer Sees
Wandern auf römischen Spuren
Die Strecke schlängelt sich durch die malerischsten Orte des westlichen Ufers: Colonno, Sala Comacina, Ossuccio, Lenno... Namen wie Musik. Mal durch enge Gassen, mal über alte Steintreppen, mal vorbei an prunkvollen Villen oder verträumten Kirchen. Die ersten Veilchen säumen den Wegesrand, die Natur erwacht. Und immer mit dabei: dieser „Wow“-Blick auf See und Berge.
Und unter unseren Füßen? Geschichte. Die Via Regina, ein römischer Handelsweg, verband einst den Süden mit dem Norden Europas. Hier rollten mehr schlecht als recht Eselkarren, hier zogen Händler mit Seide, Salz und Wein. Wer durch musste, zahlte – denn oben, auf dem Hügel, thronte Barbarossa.
Seine Burg, das „Castello Baradello“, ist heute nur noch eine Ruine, aber was für eine. Man sieht sie von Weitem – und sie sieht zurück. Damals: Kontrollpunkt, Zolllager, Machtsymbol. Heute: Eine Anekdote.

Panoramablick über den Lago di Como | Foto: © Ulli Heerdegen



Geschichte erwandern und erleben | Fotos: © Ulli Heerdegen
Visionen auf dem Wasser
Die Velarca und Italiens Aufbruch
Nach einigem Auf & Ab stehen wir plötzlich vor einem Boot der neueren Geschichte. Nicht irgendein Boot. Die Velarca – eine Barke, wie sie typisch war für den Comer See: flacher Rumpf, robuste Form, bewährt für den See. Aber was darauf thront, erinnert eher an einen überdimensionierten Hasenstall aus Holz und Glas – ein Architektur-Freakshowstück, das auf den ersten Blick irritiert und auf den zweiten fasziniert.
In den 1950er-Jahren, einer Zeit, in der Italien noch mit den seelischen und materiellen Trümmern des Krieges rang, baute eine Industriellenfamilie dieses schwimmende Atelier. Ein Ort, an dem freigeistige Visionäre, Ingenieure und kreative Tüftler zusammenkamen, um zu entwerfen, zu träumen, zu diskutieren – direkt auf den sanften Wellen des Lago di Como. Die Velarca wurde zur Plattform für Ideen, zur Werkstatt auf dem Wasser, zum Denkraum mit Ausblick.
Heute ist sie in die Obhut des FAI – Fondo Ambiente Italiano – übergegangen und wurde mit Liebe zum Detail restauriert. Ein Denkmal nicht nur der Architektur, sondern der Aufbruchsstimmung eines Landes im Wandel. Allerdings könnte man für den satten Eintritt schon ein paar stilvolle Häppchen servieren. Oder ein klitzekleines Gläschen Vino del Lago.



Die Velarca - ein schwimmendes Denkmal der 50er Jahre | Fotos: © Ulli heerdegen
Locanda Grifo: Wo der Comer See auf Reis & Salbei trifft
Kulinarische Verschnaufpause auf dem Greenway
Endlich eine Pause. Nach so vielen Geschichten, Steintreppen und „guarda che bello!“ war es Zeit für das, was in Italien mindestens genauso wichtig ist wie Kultur: il Pranzo. In der Locanda Grifo – ein stilvolles, bodenständiges Restaurant mit viel Liebe zum Detail.
Auf dem Teller: Riso in cagnone – cremig, buttrig, mit knusprigem Egli obendrauf und dem Duft von frischem Salbei. Dazu ein Glas Hauswein, angenehm unkompliziert, wie ein Gespräch unter Freunden. Und zum süßen Abschluss? Paradell della nonna – der schmeckt wie ein sonntäglicher Kaffeeklatsch bei Oma. Kein Firlefanz, sondern ehrliche Tradition auf dem Teller. Genau das, was wir nach dem Wandern brauchten.



Sehr gut gegessen im Locanda Grifo. / Foto: © Ulli Heerdegen
Flüssiges Gold aus Lenno
Die Ölmühle von Osvaldo Vanini
Nach dem Essen führt uns Sabrina noch ein paar Schritte weiter – und wir stehen vor der sehr unauffälligen Ölmühle Vanini Osvaldo. Seit 1850 wird hier gepresst, was das Mikroklima in der Mitte des Sees möglich macht: Oliven.
Nur hier – in Lenno, Bellagio und Varenna – ist das Klima mild genug für den Olivenanbau. Der See wirkt wie ein Wärmespeicher, schützt vor Frost, lässt mediterranes Leben gedeihen. Das Öl? Fruchtig, weich, ein Hauch von Mandel. Kein Vergleich zu Supermarktware. Das hier ist Lago di Como für den Esstisch.



Hochwertiges Olivenöl aus der Ölmühle Osvaldo Vanini | Fotos: © Ulli Heerdegen
Entlang des Greenways am Comer See
Ein Tag, wie er im Herzen bleibt
Am frühen Abend sind wir zurück. Müde, beseelt, und ja – ein bisschen verliebt in diesen Weg, in die Geschichten, in das Essen. Und in Sabrina, die mit ihrem Wissen, ihrer Wärme und Begeisterung diesen Tag zu etwas gemacht hat, das bleibt.
QuintEssenz
Olivenöl, Risotto, Ruinen: Wer den Comer See fühlen will, sollte den Greenway gehen.
Man kann diesen Weg wunderbar allein entdecken – gut ausgeschildert ist er allemal. Aber mit einer charmanten Führung wie der von Trek & Taste wird er zur Zeitreise: voller Geschichten, versteckter Details und überraschender Aha-Momente.
Herzlichst,
Ulli
Greenway del Lago di Como
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Greenway del Lago di Como: 10 km langer Wanderweg durch die Dörfer Colonno bis Griante. Römischer Ursprung (Via Regina), grandiose Aussicht, pure Kultur.
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Velarca: Historische Barke, vom FAI restauriert – ein Designjuwel auf dem Wasser.
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Locanda Grifo: Restaurant mit regionaler Küche in Lenno – Riso in cagnone, Paradell & mehr.
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Ölmühle Vanini Osvaldo: Tradition seit 1850, mildes Olivenöl vom Comer See. Nur drei Mühlen existieren noch – in Lenno, Bellagio und Varenna.
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Trek & Taste: Geführte Wanderungen mit Tiefgang & Geschmack.




