Frühling zum trinken. Wenn am Waldesrand die Veilchen blühen, beginnt die zarteste Versuchung des Jahres: Sirup, wie ihn Nonna vielleicht gemacht hätte – mit Zitronenschwung, Melissenhauch und einem Tropfen Poesie. Ein Rezept für Genießer, Spaziergänger und alle, die wissen: Der Frühling gehört ins Glas. 💜🥂
Veilchensirup ...
... weil die Versuchung groß ist
Es fängt an wie jede harmlose Frühlingsszene: die Sonne gibt sich Mühe, der Boden ist noch kühl, aber die Luft riecht schon nach Neubeginn. Und dann – zack! – stehen sie da. Winzig, wild und violett. Die ersten Veilchen. Viola odorata, wie der Botaniker sagt. Oder einfach: Frühling in Blütenform.
Und ja, man will sie pflücken. Sofort. Körbeweise. Aber halt – Contenance, bitte! Wer den Hang leer erntet, bekommt nächstes Jahr nur noch grüne Blätter. Also: Nur ein paar – am besten mit einem kleinen inneren Knicks.
Und dann ist da noch dieser Name: „Viola“. Wie die Farbe. Wie die Opernsängerin, die im dritten Akt stirbt und trotzdem alle Herzen gewinnt. In Italien bedeutet „Viola“ nicht nur Veilchen, sondern auch Melancholie mit Stil. Es ist ein Name, ein Duft, ein Gefühl. Und genau so schmeckt dieser Sirup.
Zwischen Naturheilmittel und Aperitivo-Legende
Der legendäre Veilchensirup
Er kommt daher wie ein Geschenk aus einem vergessenen Jahrhundert. Ein bisschen Medizin, ein bisschen Magie – und sehr viel Liebe. Mit einem Hauch Rosmarin, einem Schuss Zitrone und dem süßen Versprechen, dass selbst die kleinste Blüte ein großes Lächeln zaubern kann.
Aber Vorsicht: Dieser Sirup hat Charakter. In Prosecco gelöffelt, entfaltet er schnell seine verführerische Seite. Und ehe man sich versieht, sitzt man in der Frühlingssonne, nippt am Glas – und dichtet plötzlich selbst.



Von violett bis zartrosa...| Fotos: © Ulli Heerdegen
Veilchensirup aus dem Valtellina
Ein Rezept, so alt wie der Klatsch am Dorfbrunnen – aber mit dem Extra-Frischekick, den nur die Bergluft, eine leckere Zitrone und eventuell ein Glas Prosecco liefern können.
Zutaten für Veilchensirup
- 3 großzügige Hände voll frischer Veilchenblüten (nicht schüchtern sein)
- 1 große, saftige Bio-Zitrone – in Scheiben & mit viel Seele
- Saft einer weiteren Zitrone – für die spritzige Oberkante
- 400 ml Wasser (aus der Quelle oder aus dem Hahn)
- 400 g Zucker (Kein Diätkram. Wer braunen Zucker verwenden will, verliert die zart rosa Farbe, aber der Sirup schmeckt raffinierter)
- 3–4 Blätter Zitronenmelisse (für das alpine Understatement)
- 1 winziges Zweiglein Rosmarin – nur ein Hauch, nicht den Kräutergarten reinschubsen
Zubereitung:
- Blüten vorsichtig zupfen – ohne Stängel, dafür mit Liebe.
- In ein großes Glasgefäß geben und die Zitronenscheiben obenauf schichten.
- Zitronensaft, Melisse und Rosmarin dazu – wie ein kleines Kräutergedicht.
- Wasser mit dem Zucker aufkochen, bis alles schön flüssig glänzt.
- Die heiße Mischung über die Blüten gießen – es zischt, es duftet, es lebt.
- 3–4 Tage kühl ziehen lassen. Einmal täglich umrühren.
- Abseihen, nochmals auf Temperatur bringen, abfüllen und etikettieren wie bei Nonna – oder gleich mixen.
Serviertipps aus Cordena:
Mit Aqua frizzante o naturale – je nach Stimmung
– Mit einem Schuss Prosecco für das gute Leben
– Oder als Geheimzutat im Sommercocktail – für Gäste, die man mag und überraschen will
Aber Achtung: Veilichensirup ist ein Teufelszeug, wenn es mit zuviel Prosecco getrunken wird.
Und jetzt mal ganz unter uns ...
Veilchensirup? Gibt’s seit Jahrhunderten
In Apotheken, in Nonna-Rezepten, manchmal sogar in alten Liebesbriefen. Aber Veilchensirup alla Cordera? Den gibt’s – mit einem kleinen Augenzwinkern – erst seit meinem Cosycrime-Roman, der im Herbst erscheint.
Das Dorf Cordera, wo es im Frühling nur so von wilden Veilchen wimmelt, spielt darin eine duftende, stille Hauptrolle. Und der Sirup? Wird dort nicht nur getrunken, sondern auch zur Verführung herangezogen. Oder beides. Man weiß es nicht genau.
Was man aber weiß: Wer im Frühling durchs Val Codera wandert, wird verstehen, warum dieser Ort nach Blüten, Geheimnissen und Geschichten schmeckt.
Herzlichst,
Frau Degen
Im April 2025
Gut zu wissen
Veilchen
... als Naturheilmittel
- Botanischer Name: Viola odorata – das Duftveilchen
- Wirkung: entzündungshemmend, schleimlösend, beruhigend
- Anwendung:
– bei Husten & Bronchitis (Sirup, Tee)
– gegen Hautreizungen & kleine Entzündungen (Aufguss)
– als sanftes Beruhigungsmittel (innerlich & äußerlich) - Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Saponine, Flavonoide, Salicylate
- Vorsicht: Nur echte Duftveilchen verwenden – keine Zierformen!
- Traditionell beliebt: bei Kindern, Schwangeren & empfindlichen Seelen
Wissenschaft trifft Aberglaube:
Schon Hildegard von Bingen empfahl das Veilchen bei „betrübtem Gemüte“. Und auch moderne Phytotherapie weiß seine Wirkung zu schätzen – zart, aber effektiv.
Quintessenz: Veilchensirup schadet nie!




